2:2 in Todesfelde – Ludwig hält zum Abschied überragend

Aufstiegsrunde zur Regionalliga

Kickers-Keeper vereitelte zahlreiche Großchancen / Eilerts und Steffens treffen für den BSV

Von Ingo Poppen

Nils Ludwig stimmte die "Humba" mit den Fans an.

Für die Fans des BSV Kickers Emden stand der Mann des Tages schon nach 40 Minuten fest. Da stimmte der Anhang zum ersten Mal „Nils Ludwig, du bist der beste Mann“ an. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Emder Torhüter in seinem dritten Pflichtspiel der Saison bereits vier Großchancen vereitelt. Allein in den folgenden fünf Minuten bis zur Halbzeitpause des Auswärtsspiels beim SV Todesfelde sollten drei weitere Glanztaten folgen. „Nils hatte heute mehr zu tun, als ihm lieb gewesen sein dürfte“, sagte Kickers-Trainer Stefan Emmerling. In seiner letzten Partie für den BSV ermöglichte der eigentliche Ersatzkeeper seinem Team dank vieler starker Paraden ein 2:2 in Schleswig-Holstein – und damit den Sieg in der Aufstiegsrunde. „Ich bin stolz darauf, dass sich die Mannschaft als Erster durchgesetzt hat“, sagte Emmerling. Ebenfalls in die Regionalliga Nord aufsteigen wird der Bremer SV nach einem 3:1 gegen Concordia Hamburg. „Gratulation nach Bremen“, so Emmerling. „Das Team hat es sich ebenfalls verdient.“

Für Kickers-Keeper Nils Ludwig war es ein fast perfekter Abschied. „Die Gegentore nerven mich“, sagte der 31-Jährige. „Aber dieses Spiel war für mich auch eine Genugtuung, denn ich konnte zeigen, dass ich auch etwas drauf habe.“ Schon in der 3. Minute verhinderte Ludwig nach einem Schuss von Marco Pajonk einen frühen Rückstand. Anschließend fand Kickers besser ins Spiel – und nach zwei Schüssen von Holger Wulff, die SVT-Torhüter Fabian Landvoigt jeweils parieren konnte (4./7.), gingen die Emder in Führung. Eine Hereingabe von Heiko Visser leitete Ayodeji Adeniran zu Marvin Eilerts weiter, der mit einem platzierten Flachschuss zum 0:1 traf (9.).

Die engagierten Todesfelder antworteten vor 1250 Zuschauern im ausverkauften Joda-Sportpark prompt – doch wieder entschied Ludwig das Duell mit Pajonk für sich (10.). Der Emder Schlussmann wehrte auch die Schüsse von Morten Liebert (18.) und Rafael Krause (28.) glänzend ab. Auf der anderen Seite zielte Tido Steffens zweimal knapp über den Kasten (13./25.). Die beste Kickers-Chance vergab Ayodeji Adeniran: Nach einer Ecke von Holger Wulff köpfte der US-Amerikaner den Ball aufs Tor, doch Keeper Landvoigt lenkte die Kugel noch an den Innenpfosten (31.).

Die Schlussphase der ersten Hälfte gehörte den Gastgebern – und Nils Ludwig. Der 31-Jährige entschärfte einen Schuss von Morten Liebert (41.) ebenso stark wie zwei Kopfbälle von Marco Pajonk (43./45.). „Dass wir defensiv heute nicht so stabil waren wie gewohnt, mag auch mit den Feierlichkeiten der vergangenen Tage zusammenhängen“, sagte BSV-Coach Stefan Emmerling nach der Partie.

Seine Mitspieler feierten den Mann des Tages.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte – mit einer Parade von Nils Ludwig, dieses Mal nach einem Schuss von Pajonk (53.). Sekunden später verpasste Holger Wulff auf der Gegenseite das 0:2 (53.). Zwei Minuten, nachdem Ludwig die nächste gute Gelegenheit durch Emanuel Bento de Lima vereitelt hatte (56.), war der starke Kickers-Torhüter machtlos. Einen Liebert-Schuss konnte er noch abwehren, doch der zweite Versuch von Rafael Krause landete zum verdienten Todesfelder Ausgleich im Netz (58.). Die Gastgeber erarbeiteten sich auch in der Folge weitere Chancen: Ein Kopfball von Liebert landete an der Latte (66.), einen Schuss von Deniz Yilmaz konnte Ludwig abwehren (78.).

Mit einem Kunstschuss brachte Rafael Krause den SVT dann in Führung: An seine Flanke von der rechten Seite kam im Zentrum kein Mitspieler mehr heran – aber auch kein Emder – 2:1 (80.). Die Freude bei den meisten Zuschauern im Joda-Sportpark währte aber nicht lang: Ayodeji Adeniran spielte einen langen Pass zu Tido Steffens. Der Kickers-Torjäger enteilte seinem Gegenspieler und vollendete souverän zum 2:2 (82.). Anschließend vergab der eingewechselte Yanic Konda eine weitere gute Emder Chance (86.). Nach einem Foul an Dirk Frerichs hätte Matthias Goosmann die Partie per Elfmeter komplett drehen können, doch SVT-Torhüter Fabian Landvoigt parierte den Strafstoß glänzend (87.).

Im Mittelpunkt der Partie stand an diesem Nachmittag jedoch Landvoigts Pendant Nils Ludwig. In der ersten Minute der Nachspielzeit bereiteten ihm seine Mitspieler einen Abschied der ganz besonderen Art. Nachdem Ludwigs Auswechslung angezeigt worden war, stellten sich die Emder an der Mittellinie zum Spalier auf. Unter dem Applaus von Spielern, Kickers-Fans und Zuschauern aus Todesfelde verließ der 31-Jährige den Rasen. „Ich verlasse den BSV mit einem weinenden Auge, weil ich jeden im Team und im Betreuerstab extrem gern habe“, sagte der Schlussmann, nachdem er die letzte „Humba“ der Saison mit den Fans angestimmt hatte.

Ein Sonderlob gab es auch von seinem Trainer. „Man hat heute wieder einmal gesehen, dass Nils ein starker Torhüter ist“, sagte Stefan Emmerling. „Wir haben noch versucht, ihn umzustimmen, doch sein Entschluss stand fest.“ So wechselt der Keeper zur neuen Spielzeit zum Bezirksligisten TuS Pewsum. „Ich bin in vier Jahren bei Kickers zweimal aufgestiegen, diese Zeit werde ich nie vergessen“, so Ludwig. „Aber ich freue mich auch auf die neue Aufgabe – und auf mehr Zeit für mein Privatleben.“

BSV Kickers: Ludwig (90./+1 Kuhlmann) – Jabbie, Dassel, Faqiryar (84. Konda) – Braun, Goosmann – Visser (67. Frerichs), Eilerts – Steffens, Wulff (72. Bamezon) – Adeniran

Tore: 0:1 Eilerts (9.), 1:1 Krause (58.), 2:1 Krause (80.), 2:2 Steffens (82.)

Besonderes Vorkommnis:
Landvoigt hält Foulelfmeter von Goosmann (87.)

Highlights der Begegnung

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