Es gibt Spiele, in denen nicht die Schwächen einer Mannschaft zu beschreiben sind, sondern die Stärke des Gegner in den Vordergrund zu stellen ist. Eine solche Partie sahen die mitgereisten Emder Zuschauer bei der Begegnung der U15 des BSV Kickers Emden gegen die C.-Junioren des Osnabrücker SC. Die Ostfriesen verloren mit 3:6 Toren und kehrten ohne Punkte zurück in die Heimat. Das bessere Team hatte verdient gewonnen.

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Bei herrlichen äußeren Bedingungen ergaben sich von Beginn an für die Hausherren viele Torchancen. Diese Auffälligkeit war nicht nur der spielerischen Überlegenheit der SC Stürmer zuzuschreiben, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass der dortige Kunstrasenplatz doch sehr klein ist und sich automatisch mehr Torszenen entwickeln, als dies bei normaler Spielfeldgröße der Fall wäre. Daran schienen sich die Emder in den ersten Minuten erst noch gewöhnen zu müssen. Trotzdem verwunderlich, dass es nach nur sechs gespielten Minuten schon ein Eckenverhältnis von 5:0 für Osnabrück gab. Und viele dieser Ecken waren brandgefährlich, weil zumeist auch die „langen Kerls“ der Heimmannschaft mit nach vorne gingen und den BSV Keeper, Marvin Utzelmann und die gesamte Kickers Abwehr in arge Bedrängnis brachten. Der Führungstreffer des OSC resultierte jedoch nicht aus einer solchen Situation. Das 1:0 erzielte Cemre Yesilyaprak mit einem unhaltbaren Sonntagsschuss, der aus 20 m genau in den Winkel traf.

Das Power-Spiel der Heimelf wurde also schon früh belohnt. Aber schon in diesen ersten Minuten konnte der aufmerksame Beobachter feststellen, was sich auf Emder Seite im ganzen Match auch nicht wirklich veränderte. Die BSV Spieler gingen nie richtig entschlossen zu Werke und ließen sich sich in vielen Situationen „einfach den Schneid abkaufen“.

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Hätten die BSV-Akteure öfter wie in der 12. Minute agiert, dann wäre vielleicht auch mehr drin gewesen. David Silonok überquert mit hohen Tempo auf der rechten Außenbahn das Mittelfeld und flankt komplett diagonal auf die andere Seite, wo Mirco Taubert mitgelaufen war. Dieser umspielt noch einen Verteidiger und zielt den Ball am Torwart vorbei ins kurze Eck. Ein überraschender Ausgleich.

Danach spielen die Emder mit, obwohl Osnabrück wenig Zweifel daran lässt, „wer hier Chef im Ring ist“. Nun werden aber auch die Anweisungen der Emder Coaches umgesetzt. Und tatsächlich: Immer wenn die Kickers Angreifer früh stören und ein Pressing aufziehen, werden die OSC Verteidiger nervös und unsicher. Richtiges Kapital können die Ostfriesen daraus aber nicht schlagen.

Ein Stellungsfehler führt in der 25. Minute zur erneuten Führung der Osnabrücker. Als Maurice Mickley nur zwei Minuten später auf 3:1 erhöht und Tom Bauer mit seinem 6. Saisontreffer in der 30. Spielminute sogar zum 4:1 trifft, begibt sich die Heimmannschaft endgültig auf die Siegerstrasse. Innerhalb von 5 Minuten drei Tore „gefangen“ zu haben sieht man den Gästen in deren Körpersprache nun auch deutlich an. Zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff verschiesst Tim Benjamins dann auch noch einen berechtigten Strafstoß. Mit „hängenden Köpfen“ begeben sich die Emder in die Kabine.

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Mit Ruben Ernst für Marvin Degener bringt das Trainergespann Münniks/Smit eine „frische Kraft“. Das Spiel ist nach Wiederanpfiff keine zwei Minuten alt, da erhält auch Osnabrück einen berechtigten Strafstoß. Diesen kann Tom Bauer allerdings sicher zum 5:1 verwandeln. „Eine kalte Dusche“ für die Gäste. Den Emdern bleibt in der nächsten Phase aber positiv anzumerken, dass man hier noch etwas gut machen möchte. Bei einem Dribbling von Mirco Taubert bleibt dieser am letzten Spieler hängen, ein wuchtiger Schuss von Ruben Ernst wird vom Rücken eines OSC Verteidiger abgewehrt und einen guten Abschluss von Lukas Smit kann der Torwart der Osnabrücker geschickt zur Ecke lenken. Emden wechselt aus. Für Tim Benjamins kommt Pascal Zytariuk zum Einsatz; Andreas Stroh ersetzt fortan Nico Brüggemann. Und der eingewechselte Zytariuk ist es dann auch, der in der 52. Minute einen mustergültigen Pass auf Mirco Taubert geben kann, der unbedrängt auf 2:5 verkürzt.

Auf der Gegenseite steht BSV-Torwart Marvin Utzelman des Öfteren im Mittelpunkt des Geschehens. Er kann auch einige Schüsse gut parieren, so auch in der 57. Minute als er ein Geschoss von Dean Laubinger entschärft. Der Abpraller landet dann aber irgendwie vor die Füße von Levin Yurtkuren, der aus 8-Meter-Entfernung beherzt zum 6:2 trifft.

Vier Minuten vor Schluss erzielt Simon Smit den 3:6 Entstand. Er krönt einen kraftvollen Solo-Lauf mit einem gezielten Schuss in die rechte, untere Ecke. „Man muss die spielerische Überlegenheit des Gegners anerkennen und darf ruhig die kämpferische Einstellung unserer Truppe kritisieren“, resümiert Trainer Dieter Münniks nach Spielende. Sein Trainerkollege und „Geburtstagskind“ Günther Smit ergänzte, dass er sich sehr gefreut hätte, wenn man beim Tabellendritten für eine Überraschung hätte sorgen können. „Wir werden die Woche über gut trainieren und hoffen am nächsten Sonntag in Nordhorn einen Auswärtserfolg zu erreichen“.

Für die Emder C-Junioren gibt es dann auch eine Premiere. Erstmalig wird ein U15 Landesliga-Punktspiel am Sonntag zur „Herren-Primetime“ um 15 Uhr angepfiffen.

Text und Bilder: Erwin Schoneboom