Bastian Dassel erzielte das 3:3.

Bastian Dassel erzielte das 3:3.

LANDESLIGA, 17. SPIELTAG:
SV BAD BENTHEIM – BSV KICKERS 3:3 (1:1)

SV Bad Bentheim:
Möhring – Kiewitt (64. Kolk), Roggmann (77. Horstjann), Neumann, Grothus – Kleine-Vennekate (60. Große-Vennekate), Küpers – Holthaus, Husmann – Hennig, Schmagt

Ersatzbank: Moll (ETW), Frensch, Kotte, Schmidt

BSV Kickers:
Lottmann – Runde, Dassel, Diekmann, Janssen – Visser, Smidt – Atilay Batbay, Bloem (68. Lange) – Steffens, Wulff

Ersatzbank: Buß (ETW), Pinkernell, Keller, Kasten, Menzel

Tore: 0:1 Diekmann (10.), 1:1 Schmagt (16.), 1:2 Steffens (61.), 2:2 Schmagt (77.), 3:2 Husmann (84.), 3:3 Dassel (89.)

Gelbe Karten: Schmagt, Hennig, Roggmann / Bloem (5., gesperrt)
Rote Karte: Diekmann (24., grobes Foulspiel)

Eckenverhältnis: 3:7
Zuschauer: 120

Schiedsrichter: Dirk Schröer (Messingen)
Assistenten: Tobias Dankert, Maximilian Nie-Hoegen‘

Nach dem Schlusspfiff sanken die Landesliga-Fußballer des BSV Kickers Emden erschöpft zu Boden. Kein Wunder, schließlich mussten sie beim SV Bad Bentheim nach einer umstrittenen Roten Karte für Hendrik Diekmann (24.) am Sonntag insgesamt 66 Minuten lang in Unterzahl spielen. Die Mannschaft von Trainer Rudi Zedi lieferte aber eine kämpferisch starke Leistung ab. Somit wäre am Ende sogar mehr drin gewesen als das 3:3 – dem ersten Emder Remis in dieser Spielzeit.

„Vor der Leistung meiner Jungs, speziell in der zweiten Halbzeit, ziehe ich den Hut“,  sagte Zedi. „Der Punkt ist hochverdient. Mein Team hat sich gegen alle Widerstände gewehrt und hätte auch einen Sieg verdient gehabt.“ Mit der Bezeichnung „Widerstände“ meinte der Kickers-Coach übrigens das Schiedsrichter-Team um Dirk Schröer (Messingen). „Wir haben heute gegen 14 Mann gespielt. Die Vorstellung des Gespanns war eine absolute Frechheit.“

Vor allem die Entscheidung, Diekmann nach einem vermeintlichen Foul im Mittelfeld an Fabian Holthaus Rot zu zeigen, ärgerte Zedi maßlos. „Hendrik hat seinen Gegenspieler gar nicht berührt. Er kam von der Seite und war auch nicht letzter Mann. Ich kann diesen Platzverweis absolut nicht nachvollziehen.“ So erging es auch Diekmann selbst. „Ich habe ihn gar nicht getroffen – aber der Schiedsrichter hat die Aktion als grobes Foulspiel bewertet.“

Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 1:1. Nachdem Simon Hennig den Pfosten getroffen hatte (5.), brachte Diekmann den BSV in Führung. Nach einer kurz ausgeführten Ecke und anschließender Flanke von Atilay Batbay traf der Emder Kapitän mit rechts zum 0:1 (10.). Die Freude währte jedoch nur sechs Minuten. Dann erzielte Sebastian Schmagt aus der Drehung das 1:1 – obwohl er bei der Ballannahme sogar noch gestolpert und gefallen war. Weitere acht Minuten später folgte die Szene, die zum umstrittenen Platzverweis führte (24.). Bis zur Pause ergaben sich für beide Mannschaften danach keine nennenswerten Torchancen mehr.

Das änderte sich nach dem Seitenwechsel. Ein Schuss von Heiko Visser war zu harmlos (50.), Eimo Smidt scheiterte mit einem versuchten Lupfer an Bentheim-Keeper Lars Möhring (53.) und schoss aus rund 20 Metern über den Kasten (55.). In der 59. Minute folgte die nächste fragwürdige Entscheidung des Unparteiischen. Nach Pass von Tido Steffens stand Holger Wulff frei vor dem Tor. Der 26-Jährige wurde wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung jedoch zurückgepfiffen, sein Treffer zählte nicht. „Es war niemals Abseits“, lautete Zedis Kommentar.

Anschließend ging es Schlag auf Schlag: Zunächst brachte es Schmagt fertig, die Kugel aus rund drei Metern am Emder Kasten vorbeizuschieben (60.). Besser machte es Steffens. Der Kickers-Torjäger traf per Abstauber zum 1:2, nachdem Wulff an Möhring gescheitert war (61.). Kurz darauf landete eine Bogenlampe von Hennig an der Latte (66.).

Kickers hätte die Führung ausbauen können, doch nach Hereingabe von Steffens war Möhring vor dem eingewechselten Torben Lange am Ball (76.). Im Gegenzug gelang Schmagt das 2:2. Er stand völlig frei im Strafraum und ließ BSV-Keeper Jannik Lottmann keine Chance (77.). Doch damit nicht genug. Nachdem ein abgefälschter 18-Meter-Freistoß von Bentheims Spielertrainer Jörg Husmann im Toraus landete, nutzte Husmann selbst die ungeordnete Kickers-Defensive beim anschließenden Eckball – 3:2 (84.).

Die dezimierten Emder gaben aber auch nach dem Rückstand nicht auf. Lange wollte Wulff einsetzen, doch der verpasste die Flanke knapp (87.). 120 Sekunden später wurden die Ostfriesen für ihre tolle Moral belohnt: Bastian Dassel erzielte aus dem Gewühl heraus das 3:3. Zuvor war es Steffens nicht gelungen, den erneut stark reagierenden Möhring zu überwinden (89.).

In dieser turbulenten Partie hatten beide Mannschaften anschließend sogar noch die Chance auf den Sieg. Ein Schuss des eingewechselten Bentheimers Philipp Kolk landete am linken Pfosten, kullerte die Linie entlang und schließlich am rechten Pfosten vorbei ins Aus (90.). Die letzte Szene des Spiels gehörte Atilay Batbay, der mit dem Ball am Fuß auf Torhüter Möhring zusteuerte – ihn mit seinem Schuss aber nicht überwinden konnte (90./+1).

Dann war Schluss – und keiner der Akteure wusste, ob er sich freuen oder ärgern sollte. So ging es auch Kickers-Trainer Rudi Zedi. „Über die Gegentore müssen wir natürlich reden, da war das Abwehrverhalten einfach ungenügend“, sagte er. „Aber trotzdem ist dieser Punkt für uns Gold wert – das gilt auch für die Art und Weise, wie die Jungs trotz aller Widrigkeiten aufgetreten sind. Sie haben sich den Arsch aufgerissen und gegenseitig unterstützt. Einfach herausragend.“

ip